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Macht Macht erfolgreich?

Was haben Macht und Sport miteinander zu tun? „Viel“, sagen die Essener Sportpsychologen Ulrich Kuhl und Siegbert Krug, die sich mit dem Thema intensiv beschäftigt haben. Dass ein Manager, will er erfolgreich sein, eine gewisse Macht ausstrahlen muss, ist kein Geheimnis. Ob aber ein Sportler, der gewinnen will, diese Macht auch braucht, ist eine neue Fragestellung in der Sportwissenschaft. „Ja“, sagen Ulrich Kuhl und Siegbert Krug. Ein Siegertyp braucht Macht. Und das in zweierlei Hinsicht. Zum einen benötigt er Macht über sich selbst. Ein Erfolgsathlet muss sich im Training quälen können und im Wettkampf an seine Grenzen gehen. Darüber hinaus muss er aber auch seinen Gegnern „mächtig“ vorkommen. Kurz, er muss sich selbst und den Gegner in den Griff bekommen.

„Auf der Langstrecke im Laufbereich etwas äußert sich Macht in taktischen Spielchen. Wenn zum Beispiel plötzlich das Tempo angezogen wird, geschieht das weniger, um die eigene Leistung zu verbessern, als um den Gegner fertig zu machen. Bestes Beispiel dafür sind die Läufer aus Kenia und Marokko“, meint Ulrich Kuhl. Mit seinem Kollegen Siegbert Krug hat der Sportpsychologe ein Buch zum Thema „Macht im Sport“ geschrieben („Macht, Leistung, Freundschaft - Motive als Erfolgsfaktoren in Wirtschaft, Politik und Spitzensport“, Verlag W. Kohlhammer). „Die Theorie, dass Erfolg mit Macht zusammenhängt, kommt aus Amerika und hat sich zunächst auf den Wirtschaftssektor bezogen. In Deutschland ist sie nie richtig aufgegriffen worden. „Macht“ heißt im Englischen „power“ und ist positiv besetzt. Wir haben das Konzept auf den Sport übertragen und festgestellt, dass das Prinzip auch hier aufgeht“, erklärt Kuhl. Bereits im Jugendalter sei einem Sportler anzumerken, ob er das Zeug hat, ein „Großer“ zu werden oder ob sein Machtpotential nur für einen „Trainingsweltmeister“ ausreicht. „Motive kann man schlecht erlernen, die sind schon früh da. Wenn man darauf achtet, ob ein Athlet die Einstellung hat, unbedingt gewinnen zu wollen, oder ob er die Sache eher lasch angeht, findet man schnell heraus, welches Kind zu welcher Sportart passt“, sagt Kuhl.

Auch dem Trainer schreibt der Sportpsychologe eine entscheidende Rolle in punkto „Macht und Sport“ zu. Zwar könne auch ein machtorientierter arbeitender Trainer aus einem ewigen Talent keinen Star machen, aber immerhin könne er auf die Disziplin seines Aktiven achten. „Wenn ich als Athlet weiß, der Trainer tritt mir in den Hintern, wenn ich mich nicht spute, strenge ich mich mehr an. Allerdings bringt es nichts, wenn ein Trainer immer nur mit Druck arbeitet. Dann geht der Spaß und die Leistungsbereitschaft verloren“, interpretiert Kuhl. Wenn die Luft dünn ist, dann brauche man Macht. Und zwar in jeder Sportart, sei es in Wettkampfformen, die nacheinander (zum Beispiel beim Bob), nebeneinander (zum Beispiel im Ausdauersport) oder gegeneinander (zum Beispiel im Tennis) ausgeführt werden. Sportler ohne Machtdenken sieht man nach Ansicht der Essener Psychologen selten. „Nur ein absoluter Star läuft gegen seinen eigenen Standard. Wenn ich im Marathon ohnehin zehn Minuten vorneweg laufe, muss ich mich nicht auf Machtspielchen mit den Gegnern einlassen. Dann muss ich mich nur selbst quälen“, sagt Kuhl. Der Tennisspieler Roger Federer sei ein Beispiel für ein Ausnahmetalent, das nicht machtorientiert wirke. „Aber der ist leistungsmäßig wirklich allein auf weiter Flur. Ansonsten gilt: Wer im leistungsorientierten Sport glücklich sein will, braucht Macht.“

Running, 7/2007 von Alexandra Kießling

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