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Ausgesprochen spannend, kurzweilig und wissenschaftlich fundiert

Erfolgreiche Spitzensportler bringen nicht nur Talent und gute Anlagen mit, sondern sie sind auch in der Lage, sich über lange Zeiträume hohen Trainingsbelastungen zu unterwerfen, Misserfolge hinzunehmen und ihren Alltag dem Spitzensport optimal anzupassen. Wer zu hohen und Höchstleistungen in der Lage ist - egal, ob in Wirtschaft, Politik oder Sport - muss ein außergewöhnlich hohes Leistungsmotiv haben, das jedenfalls ist man geneigt zu glauben.

S. Krug und U. Kuhl (2006), Macht, Leistung, Freundschaft: Motive als Erfolgsfaktoren in Wirtschaft, Politik und Spitzensport. Stuttgart: Kohlhammer, 168pp., 22,00 Euro, machen deutlich, dass es nicht immer das Leistungsmotiv ist, das Menschen zu hohen Leistungen treibt, sondern dass vielmehr das Bedürfnis nach Macht verant-wortlich ist. Die Autoren, deren Konzept wir bereits in „Leistungssport“ 34 (2006), 5, S. 5-10, vorstellten, nehmen ihre Leser mit auf eine ausgesprochen spannende und kurzweilige Reise durch die Welt der Motivforschung und der Motivtheorien, bleiben dabei immer wissenschaftlich fundiert und zeigen systematisch auf, welche Motive es gibt, wie dese wirken und in welcher eise sie verantwortlich sind für Motivation, Arbeitszufriedenheit und Leistung.

Eingangs beschreiben Krug und Kuhl die Anfänge der Motivationspsychologie, geben eine Einführung in verschiedene Entwicklungslinien und grenzen sich deutlich von den in den letzten Jahren populär gewordenen, durch die Lande ziehenden so genannten „Motivationsgurus“ ab.

Die Autoren beschreiben Motive als Bedürfnisse, die uns zu Handlungen veranlassen, erklären, wie man diese empirisch nachweisen, also messen kann, und zeigen auf, dass sich die menschlichen Bedürfnisse im Wesentlichen auf drei Motive reduzieren lassen: das Bedürfnis nach Leistung, das Bedürfnis nach sozialen Kontakten und das Bedürfnis nach Macht und Einfluss. Nachfolgend werden diese Motive im Buch ausführlich erklärt und immer wieder mit anschaulichen Beispielen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Spitzensport belegt.

Leistungsmotivierte Menschen treibt beispielsweise die Freude an der eigenen Leistung an, sie streben danach, immer besser zu werden und Aufgaben immer perfekter zu lösen. Konkurrenzdenken und der Wunsch, besser zu sein als andere, spielen jedoch hier keine Rolle. Leistungsmotivierte arbeiten auch durchaus nicht um jeden Preis, sind also nicht automatisch Workaholics, sondern um zu Höchstleistungen zu kommen, benötigen sie realistische, also machbare Leistungsziele und anspruchsvolle Tätigkeiten. Für Routinearbeiten entwickeln sie kaum Engagement. Sie wünschen sich regelmäßiges Feedback, nehmen dieses jedoch nur ernst, wenn es von Experten kommt. Überhaupt sind ihnen Experten wichtiger als Freundschaften.

Ganz anders verhält sich dies bei Menschen, die vorrangig dem Freundschafts- oder Gesellungsmotiv unterliegen. Für diese sind soziale Beziehungen und Freundschaften Selbstzweck und keineswegs Mittel zum Zweck. Für Freundschaftsmotivierte sind Beziehungen wichtiger als herausfordernde Aufgaben, sie unterstützen und leisten gern emotionale Hilfestellung. Sie sind die idealen Teamplayer, können jedoch schlecht Konflikte aushalten und mit diesen umgehen.

Das dritte Motiv, das Bedürfnis nach Macht, ist hochkomplex: Machtmotivierte strukturieren zwar ihre Umwelt in ähnlicher Weise nach Machtaspekten, verhalten sich jedoch untereinander sehr unterschiedlich. Erklärbar wird dieses Phänomen dann, so die Autoren, wenn man das Machtmotiv entwicklungspsychologisch betrachtet, da es Entwicklungsstadien des Bedürfnisses nach Macht gibt:
Das erste Stadium der Macht (M1) entspricht der Kindheit. Hier konstituiert sich ein Gefühl der Macht, indem man sich an mächtige, starke Personen oder auch Gruppen und Institutionen anlehnt. In der Kindheit kann dies der große Bruder sein, später zum Beispiel mächtige Politiker, große Konzerne, Parteien oder wichtige Organisationen.

Das zweite Stadium der Macht, die so genannte selbstbezogene Macht (M2), entspricht eher der Pubertät. Hier ist der stärkste Beweggrund der Machtausübung, sein eigener Herr zu sein und sich so der Kontrolle und Beeinflussung anderer zu entziehen. Die Unabhängigkeit von anderen versuchen derart strukturierte Menschen über Perfektion, Wissen, Besitz etc. zu erreichen. Sie finden sich häufig in selbstständigen Positionen.

Das dritte Stadium der Macht, das eigennützige, personalisierte Machtstreben (M3), entspricht - zumindest in seiner ausbeuterischen, egoistischen Ausprägung - am ehesten unseren landläufigen Klischees von Macht. Menschen in diesem Stadium genießen es, über anderen zu stehen. Sie erwerben und sichern ihre Macht über Prestige- und Statussymbole und nützen die Stärken wie Schwächen anderer zum eigenen Machterhalt. Sie verstehen es, Menschen auf sich einzuschwören und zu motivieren - sofern ihnen dies nützlich ist.

Anders verhalten sich Personen, im vierten Machtstadium (M4), die ein gemeinschaftsdienliches Motiv in ihrem Machtstreben verfolgen. Ihr Handeln zielt auf die Erreichung des Guten, und dafür sind sie durchaus bereit, die eigenen Interessen zurückzustellen. Sie achten Regeln und Gesetze, sind gerecht und sozialkompetent.

Wenn man bis zu dieser Stelle gelesen und den eigenen Motiven näher gekommen ist, fragt mach sich, inwiefern diese neuen Erkenntnisse einem nützlich sein können. Hier machen Krug/Kuhl deutlich, dass die Komplexitätsreduktion auf drei Motive hilfreich ist, um zu erarbeiten, ob und warum man in seinem eigenen beruflichen Umfeld gemäß der eigenen Motive gut aufgehoben ist und wie man dieses noch besser so gestalten kann, dass es den eigenen Bedürfnissen angemessen ist. Auch ermöglichen die Einsichten in die Motivationspsychologie, die Menschen im eigenen Umfeld besser einzuschätzen und zu wissen, wie diese zu motivieren und anzusprechen sind. Insofern ist es beispielsweise für Führungskräfte hilfreich, die Mitarbeiter gemäß ihres Motivprofils optimal einzusetzen. Ein Kapitel des Buches erläutert entsprechend ausführlich, welche Methoden es gibt, um das Motivprofil eines anderen Menschen zu untersuchen. Methoden wie psychologische Tests, Motivchecklisten, Verhaltensbeobachtung und die Motivbestimmung über Gespräche oder strukturierte Interviews werden erklärt.

Die Autoren machen aber auch deutlich, dass wir nicht ausschließlich motivgesteuert sind, sondern Ratio und Stimmung unser Handeln wesentlich prägen. In einem eigenen Kapitel, welches den eher wissenschaftlich interessierten Leser denn den Praktikern ans Herz gelegt wird, erklären sie die Entstehung von Motiven und bringen diese mit Personenmerkmalen, familiären Einflüssen wie beispielsweise der Geschwisterkonstellation und gesellschaftlichen Einflüssen wie zum Beispiel der Religion in Zusammenhang.

Spannend wird es dann, wenn die Autoren den Zusammenhang zwischen Motivprofil und Berufserfolg erläutern und diskutieren, welches Motivprofil erfolgreiche Führungskräfte aufweisen sollten. Hierzu ist es notwendig, zunächst das motivationale Anforderungsprofil der beruflichen Tätigkeit zu erläutern, um dann zu einem Abgleich zu kommen, ob dieses mit den Motiven und Kompetenzen der jeweiligen Person in Einklang zu bringen ist. Erfolgreich sind vor allem die Menschen, denen es gelungen ist, für ihre Persönlichkeitsstruktur, also Fähigkeiten und Motive, die Herausforderungen, Aufgaben und Rahmenbedingungen zu finden, die ihnen passen und ihnen eine optimale Entfaltung ermöglichen.

Ein Kapitel des Buches ist dezidiert den motivationalen Anforderungen im Spitzensport gewidmet. Hier wird deutlich, dass verschiedene Sportarten und Disziplinen verschiedene Motivprofile ansprechen. Folglich ist zu erwarten, dass ein Spitzensportler besonders dann sehr erfolgreich sein wird, wenn er eine Sportart gewählt hat, die seiner Motivstruktur entgegenkommt.

Grundsätzlich gibt es wohl kaum einen gesellschaftlichen Bereich, in dem Leistung so öffentlich zur Schau gestellt und bewertet wird wie im Spitzensport. Das Leistungsmotiv hat den Autoren zufolge besonders in den technischen Disziplinen eine hohe Bedeutung. Sportler wie Michael Schumacher oder Georg Hackl sind die besten Beispiele für Athleten, die mit absoluter Akribie daran gearbeitet haben, ihre Technik und vor allem ihr Gerät immer weiter zu optimieren - typisch für Leistungsmotivierte. Das Leistungsmotiv allein reicht im sportlichen Wettkampf jedoch nicht aus, denn Spitzensport ist eben mehr als „nur“ der Kampf gegen sich selbst. Spitzensportler brauchen auch ein hohes Machtmotiv, um im Wettkampf erfolgreich zu sein. Hier ist jedoch das Machtstadium von Interesse. In den stark ausdauerbetonten Sportarten mit hohen, relativ monotonen Trainingsanforderungen wie beim Radfahren, Schwimmen oder Marathon, also Sportarten, in denen der Kampf gegen sich selbst und den 'inneren Schweinehund' bedeutungsvoll ist, ist ein hohes Machtmotiv mit starker M-2-Komponente von Vorteil. Diese Fähigkeit, sich quälen zu können, wurde bei Jan Ullrich häufig als zu gering eingeschätzt.

In den Interaktions- bzw. Kampfsportarten wird vor allem ein Machtmotiv mit starker M3-Komponente benötigt, denn hier kämpft man nicht nur gegen sich selbst, sondern immer auch direkt gegen den Gegner. Es geht darum, diesen zu verunsichern, ihm Fehler aufzuzwingen oder ihm gar Angst einzuflößen. Besonders in Sportarten, in denen man gegeneinander kämpft, aber auch in solchen, in denen die Handlungsaufführung nebeneinander passiert (Laufen, Radfahren), muss der Athlet eine gewisse Freude an Machtspielen haben, um wirklich erfolgreich zu sein, in denen die Athleten ihren Wettkampf nacheinander ausführen (Rodeln, Speewerfen etc.).

Die Annahme, dass in Teamsportarten ein Freundschaftsmotiv förderlich sei, verwerfen die Autoren übrigens. Sie sehen auch dort die Notwendigkeit einer starken M-3-Komponente und halten generell das Freundschaftsmotiv im Leistungssport für irrelevant oder gar hinderlich.

Abschließend erläutern die Autoren, wie man durch geeignete Motivationstrainingsmaßnahmen sowohl im Sport als auch in anderen Bereichen die eigenen Motivstrukturen erkennen und diese nach Abgleich mit den Anforderungen des jeweiligen Berufs oder der jeweiligen Sportart nutzen oder für ein optimales Umfeld sorgen kann, beispielsweise indem man erkennt, welche Motivstruktur der für einen bestimmten Athleten optimale Trainer haben muss oder welche Sportart für einen Nachwuchsathleten in besonderem Maße geeignet ist. Derartige motivtheoretische Überlegungen sollten auch in der Talentsichtung und -förderung zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Leistungssport, 5/2007 von Dr. Uta Engels

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